Mit Notiz oder ohne?
Die ehrliche Praxisregel: Eine gute, persönliche Notiz schlägt keine Notiz, und keine Notiz schlägt eine generische. Ich würde mich gerne mit Ihnen vernetzen sagt nichts und riecht nach Serie; dann lieber die nackte Anfrage, die immerhin neugierig auf dein Profil macht. Schreib die Notiz nur, wenn du einen echten Bezug hast, und wenn du keinen hast, beschaff dir zuerst einen: Profil ansehen, einen Beitrag der Person lesen, reagieren.
Denn angenommen wird selten die Notiz, sondern das Gesamtbild: Die Person prüft dein Profil, bevor sie entscheidet. Foto, Slogan und die letzten Beiträge sind die halbe Vernetzungsanfrage. Bevor du also an Formulierungen feilst, lohnt sich der Blick mit fremden Augen auf das eigene Profil: Sagt der Slogan, was du für wen tust, oder nur den Jobtitel? Zeigen die letzten Beiträge Substanz oder Stille seit zwei Jahren? Eine mittelmässige Notiz mit starkem Profil wird angenommen, eine brillante Notiz mit leerem Profil selten. Die Reihenfolge der Arbeit ist deshalb: erst Profil, dann Anfragen.
Textgerüste je Situation
| Situation | Textgerüst |
|---|---|
| Du hast einen Beitrag der Person gelesen | Guten Tag Frau X, Ihr Beitrag zu [Thema] hat mir einen neuen Blick auf [Punkt] gegeben. Ich arbeite selbst viel mit [Branche/Thema] und freue mich über die Vernetzung. |
| Ihr wart am selben Anlass | Guten Tag Herr Y, wir waren beide am [Anlass]. Ihr Punkt in der Diskussion zu [Thema] ist mir geblieben. Gerne vernetzt bleiben. |
| Gemeinsamer Kontakt | Guten Tag Frau Z, wir kennen beide [Name]. Er hat Ihre Arbeit bei [Firma/Projekt] erwähnt, und da ich in einem ähnlichen Feld unterwegs bin, freue ich mich über die Vernetzung. |
| Kalt, mit Branchenbezug | Guten Tag Herr W, ich arbeite viel mit [Branche] in [Region] und verfolge, was [Firma] bei [Thema] macht. Ich freue mich über die Vernetzung. |
Die Gerüste sind Gerüste, keine Schablonen: Der Wert liegt in den Klammern, und die füllt nur echte Vorbereitung. Zwei Minuten auf dem Profil der Person, ein gelesener Beitrag, ein Blick auf die Firmenseite, mehr braucht es nicht, aber weniger auch nicht. Der Test vor dem Absenden ist einfach: Könnte dieselbe Notiz wortgleich an zehn andere Personen gehen? Dann ist sie noch nicht fertig. Erst wenn mindestens ein Halbsatz nur auf diese eine Person passt, trägt die Anfrage den Unterschied, den keine Vorlage liefern kann.
Was du ersatzlos streichst
- Ich helfe Firmen wie Ihrer dabei, ...: die meistkopierte Pitch-Formel auf LinkedIn, wird als Spam gelesen
- Superlative über dich selbst: führend, einzigartig, innovativ. Belege gehören ins Profil, nicht in die Anfrage
- Links jeder Art: wirken automatisiert und verschieben die Anfrage in die Werbung
- Terminvorschläge: Hätten Sie nächste Woche 15 Minuten? Vor dem ersten Wortwechsel ist das übergriffig
- Floskeln, die auf jede Person passen: Wenn der Text auch an tausend andere gehen könnte, merkt das die eine, die ihn liest
Nach der Annahme: die nächsten zwei Züge
Danke fürs Annehmen, plus eine Frage zum Geschäft der Person, die zeigt, dass du ihr Profil gelesen hast. Kein Pitch, keine Broschüre.
Interesse vor Angebot. Das Angebot kommt, wenn danach gefragt wird oder ein konkreter Anlass besteht.
Ein freundlicher Nachfass nach etwa einer Woche. Danach bleibt die Person im Netzwerk und sieht deine Beiträge, das ist der langfristige Kanal.
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein fiktives, aber typisches Beispiel: Ein IT-Dienstleister will Geschäftsführerinnen von Treuhandbüros erreichen und startet mit der Formel, die überall zu lesen ist: Ich helfe Firmen wie Ihrer dabei, ihre IT-Kosten zu senken, hätten Sie nächste Woche 15 Minuten? Von 40 Anfragen in zwei Wochen werden sechs angenommen, und keine einzige Antwort kommt zurück. Die Formel hat alles auf einmal falsch gemacht: Pitch in der Notiz, Terminfrage vor dem ersten Wort, und ein Text, der erkennbar an alle 40 gleichzeitig ging.
Der zweite Anlauf ist langsamer und funktioniert: Der Dienstleister liest vor jeder Anfrage einen Beitrag oder das Profil der Person und schreibt zwei Sätze mit echtem Bezug, etwa zu einem Kommentar der Geschäftsführerin über die Einführung neuer Software. Von 20 Anfragen in zwei Wochen werden deutlich mehr angenommen, und aus drei entstehen echte Wechselgespräche, weil die Fragen nach dem Annehmen ehrliches Interesse zeigen statt einer Broschüre. Die Stückzahl ist gesunken, die Wirkung gestiegen, und das ist auf LinkedIn kein Zufall, sondern die Regel: Die Anfrage ist ein Handschlag, keine Postwurfsendung.
Wenn aus einer Anfrage eine Routine wird
Bei einzelnen Anfragen trägt das Fingerspitzengefühl, bei laufender Akquise braucht es ein System, das die Regeln einhält: LinkedIn begrenzt Vernetzungsanfragen in der Praxis auf grob 100 bis 200 pro Woche und sperrt Konten, die sich wie Maschinen verhalten. Der publy LinkedIn Outreach arbeitet deshalb im menschlichen Takt: Warm-up-Schritte vor der Anfrage, Tageslimits und Geschäftszeiten, und sobald die Person antwortet, stoppt die Sequenz und du übernimmst. Die Gerüste aus diesem Beitrag werden dort zur Kampagne, das Gespräch bleibt deins.
Häufige Fragen dazu
Wie lang darf die Notiz einer Vernetzungsanfrage sein?
LinkedIn begrenzt die Notiz auf 300 Zeichen. Das ist kein Nachteil, sondern ein Schutz vor dem eigenen Mitteilungsbedürfnis: Zwei bis drei Sätze mit echtem Bezug wirken stärker als jeder ausgeschöpfte Absatz.
Sollte ich die Anfrage auf Deutsch oder Englisch schreiben?
In der Sprache, in der die Person postet und arbeitet. In der Deutschschweiz ist das meist Deutsch, und die förmliche Anrede ist der sichere Start. Englisch nur, wenn das Profil der Person klar englischsprachig ist.
Wie viele Anfragen pro Woche sind unbedenklich?
Als Praxiswert liegen die LinkedIn-Grenzen bei grob 100 bis 200 Vernetzungsanfragen pro Woche, konservativ gefahren sind 15 bis 25 pro Werktag mit Pausen. Neue oder wenig aktive Konten starten tiefer. Qualität der Zielauswahl schlägt Menge ohnehin.
Was mache ich, wenn meine Anfragen kaum angenommen werden?
Unter etwa 20 Prozent Annahmequote liegt das Problem fast immer an einem von dreien: Zielgruppe zu breit, Profil nicht überzeugend (Foto, Slogan, Beiträge), oder Pitch in der Notiz. In dieser Reihenfolge prüfen und einzeln ändern, sonst weisst du nicht, was gewirkt hat.
Soll ich offene Anfragen irgendwann zurückziehen?
Ja, als Hygiene alle paar Wochen: Eine grosse Zahl unbeantworteter, alter Anfragen ist ein schlechtes Signal, und LinkedIn wertet einen hohen Anteil ignorierter Anfragen nicht zu deinen Gunsten. Zieh Anfragen zurück, die nach drei, vier Wochen unbeantwortet sind. Die Person hat entschieden, auch wenn sie nicht geklickt hat, und dein Kontingent ist bei neuen, besser passenden Kontakten sinnvoller eingesetzt.
Macht es einen Unterschied, wann ich Anfragen verschicke?
Einen kleinen, aber vorhandenen: Anfragen zu Geschäftszeiten wirken wie von einem Menschen, Anfragen nachts um drei wie von einem Werkzeug. Wer zudem direkt nach einer Interaktion anfragt, etwa nachdem die Person auf einen Kommentar von dir reagiert hat, trifft den Moment, in dem der eigene Name noch präsent ist. Wichtiger als die Uhrzeit bleibt aber der Bezug: Ein guter Grund schlägt jeden guten Zeitpunkt.
Mehr zum Modul dahinter: LinkedIn Outreach bei publy.