Was ist Typografie in Social Media?
Typografie in Social Media ist die bewusste Auswahl und Gestaltung von Schrift in Posts, Stories, Reels und Carousels. Auf Social Media passiert 90% der Kommunikation visuell — und oft direkt auf Grafiken mit Text statt in Captions. Ein Instagram-Nutzer entscheidet laut Meta Research in 0,8 Sekunden, ob er scrollt oder stehenbleibt. Typografie ist dabei oft der entscheidende Stoppfaktor: Starke Typografie hält an, schwache lässt weiter scrollen.
Unterschied zu Print-Typografie
Social-Media-Typografie muss auf kleinen Displays, in Bewegung und im Feed-Kontext funktionieren. Das stellt andere Anforderungen als Print:
- Höherer Kontrast nötig (helles Ambientlicht, kleine Displays)
- Grössere Font-Sizes als im Print (min. 24pt für Mobile)
- Weniger Worte, mehr Hierarchie (Scanner-Lesen statt Lesen)
- Mehrere Formate (1:1, 9:16, 4:5) mit einem System
Die 4 wichtigsten Regeln
1. Maximal 2 Schriftarten pro Post
Eine Heading-Font, eine Body-Font. Mehr wirkt chaotisch.
2. Hohe Kontraste
Dunkle Schrift auf hellem Hintergrund oder umgekehrt. Pastell auf Pastell ist für Mobile oft nicht mehr lesbar.
3. Generöse Weissraum-Nutzung
Jedes Zeichen braucht Platz. Enge Layouts wirken gedrängt und unprofessionell.
4. Hierarchie durch Grösse und Gewicht
Headline deutlich grösser als Subheadline. Mindestens Faktor 1,5.
Font-Paare, die funktionieren
Bewährte Kombinationen für Social Media:
- Playfair Display (Headline) + Inter (Body) — elegant + modern
- Manrope (Headline) + Manrope (Body) — One-Font-System, super konsistent
- Oswald (Headline) + Open Sans (Body) — kräftig + neutral
- Fraunces (Headline) + Work Sans (Body) — editorial + klar
Für Schweizer Marken sind Manrope, Inter und Helvetica Now 2025 besonders beliebt.
Lesbarkeit auf Mobile
Konkrete Empfehlungen für gute Mobile-Lesbarkeit:
- Minimum: 24pt für Haupttexte, 18pt für Beschriftungen
- Maximum Zeilenlänge: 40–50 Zeichen (ca. 6–9 Wörter pro Zeile)
- Line-Height: 1,3–1,5x der Schriftgrösse
- Letter-Spacing: Bei grossen Headlines leicht negativ (-1 bis -2 px), bei Bodytext normal
- Kontrast: Minimum WCAG-AA-konform (4,5:1 Ratio)
Typografie als Brand-Element
Viele erfolgreiche Marken nutzen Typografie als Hauptelement ihrer Visual Identity:
- Medium: Ernsthafte Serif, fokussiert auf Lesbarkeit
- Stripe: Sans-Serif mit kräftigen Headlines
- Mailchimp: Playful Slab-Serif mit Handschrift-Elementen
- Spotify: Circular-Font als ikonisches Asset
Eine prägnante Schrift kann mehr Wiedererkennung schaffen als ein starkes Logo.
Farbe und Typografie
Farbe und Schrift arbeiten zusammen:
- Monochrom: Alle Texte in einer Markenfarbe — minimalistisch, elegant
- Akzent: Ein wichtiges Wort in Akzentfarbe — lenkt Aufmerksamkeit
- Farb-Overlay: Text auf Bild mit halbtransparentem Overlay für Kontrast
Häufige Fehler
- Zu viele Worte: Social-Media-Grafiken mit 3+ Sätzen werden nicht gelesen
- Zu kleine Schrift: In Mobile-Preview testen, nicht am Desktop
- Dekorative Fonts: Schöne Script-Fonts sind oft unleserlich
- Kein System: Jeder Post sieht anders aus
- Text auf unruhigem Hintergrund: Ohne Overlay oder Freistellung
Tools zur Font-Auswahl
- Google Fonts: Kostenlos, riesige Auswahl
- Fontshare (von ITF): Kostenlose Premium-Fonts
- Fontsource: Fonts zum Selbsthosten (DSGVO-konform)
- Typewolf: Kuratierte Font-Kombinationen
- Adobe Fonts: Professionelle Premium-Fonts mit Creative Cloud
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